Die erste E-Mail, die Deutschland erreichte, ging an Werner Zorn – und zwar im Jahre 1984. In einem Interview auf tagesschau.de berichtet Zorn nun von den Anfängen der digitalen Post. Auf die Frage, wie sich die schriftliche Kommunikation seither verändert habe, antwortet Zorn:
Ich schreibe kaum mehr normale Briefe, und ich denke, das geht vielen so. Die schriftliche Kommunikation hat sicher an Niveau verloren. In Mails herrscht generell ein lockererer Ton als im Brief. Ein Stück schriftlicher Mitteilungskultur ist auf der Strecke geblieben.
Meine Meinung: Das ist falsch!
In mir regt sich Widerspruch und ich halte dagegen: Das Niveau der schriftlichen Kommunikation ist durch die E-Mail eher gestiegen! Wir schreiben heute persönlicher, verständlicher und kürzer. Und noch viel wichtiger: Die schriftliche Kommunikation ist in den letzten Jahren individueller und damit auch ausdrucksstärker geworden.
Ich behaupte sogar: Nicht das Aufkommen der E-Mail hat unseren Sprachstil verändert, sondern ein anderer Sprachstil hat den Siegeszug der E-Mail überhaupt erst möglich gemacht!
Früher wurde in Unternehmen über Schrift vor allem informiert – heute kommunizieren fast alle Mitarbeiter im Unternehmen vorwiegend schriftlich. Nur leider sind dafür die wenigsten Menschen ausgebildet!
Laien in der schriftlichen Kommunikation - auf allen Ebenen
Und genau hier liegt der Hund begraben: Denn auch wenn wir in der E-Mail heute einen „lockeren Stil“ nutzen, der dem der gesprochenen Sprache sehr nahe kommt, ist die E-Mail doch immer noch schriftliche Kommunikation und unterliegt anderen Gesetzen:
Der Leser von (Bildschirm-)Texten
- nimmt die Aussage anders wahr als das gesprochene Wort
- ist emotional anders beteiligt
- hat mehr Interpretationsspielraum, weil Gestik und Mimik fehlen
- misst einem Text eine andere Bedeutung zu als dem gesprochenen Wort
- erinnert den Text anders als das gesprochene Wort
Neue Seminar-Inhalte braucht das Land
Bei Führungskräften sind Seminare zu den Themen „Gesprächsführung“ oder „Rhetorik“ sehr beliebt. In Seminaren zum Thema „Schriftlich kommunizieren“ sitzen dagegen meist Sekretärinnen und Sachbearbeiter.
Das liegt vor allem daran, dass in diesen Seminaren vorwiegend über DIN-Regeln und Formulierungsalternativen gesprochen wird. Elementare Kenntnisse darüber, wie schriftliche Kommunikation funktioniert, werden nur sehr selten vermittelt.
Ein Thema mit Zukunft: Schriftliche Kommunikation erfolgreich managen
Dabei können Unternehmen, die ihre interne wie externe schriftlichen Kommunikation professionell managen, enorme Wettbewerbsvorteile erzielen: Sie werden effizienter kommunizieren, glaubwürdiger auftreten und innovativer sein.
Wie aber sieht das optimale Management der schriftlichen Kommunikation aus?
Damit beschäftigen Sabine Krippl und ich uns nun schon seit einigen Jahren. Zurzeit arbeiten wir an einem Buch, das den Arbeitstitel hat: „Erfolgsfaktor: Text“. Ich werde in den nächsten Monaten einige unserer Überlegungen hier veröffentlichen. Natürlich sind wir auch an dem Austausch mit Führungskräften und Kommunikationsverantwortlichen in mittelständischen und Großunternehmen sehr interessiert.
Bin sehr gespannt auf das Buch. :-)
Kommentiert von: Ines | 19.09.2007 um 11:59 Uhr
Manueller Trackback: Von der E-Mail
[...]E-Mails sind Geschäftsbriefe. Anja Dornheim gewinnt der E-Mail sogar zwei sehr positive Aspekte ab:[...]
Kommentiert von: Alexander Greisle | 19.09.2007 um 18:04 Uhr