Gutes Deutsch ...
... lernt man nicht unbedingt bei Bastian Sick! Das sagt der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Recht hat er! (via Sprachblog)

... lernt man nicht unbedingt bei Bastian Sick! Das sagt der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Recht hat er! (via Sprachblog)
Die Deutsche Telekom hat im vergangenen Jahr zehntausende Reklamationen unbearbeitet zu den Akten gelegt. Diesen Vorgang nannten sie dann "einen systembedingten Abschluss". Tja, mit Systemen kennt sich die Telekom halt aus, mit Kunden und ihrem Verhalten offenbar nicht.
Gibt es bei euch im Unternehmen auch Begriffe, die einen Zustand verdecken sollen - gerade aber dadurch die Realität zeigen?
Auf der Internetseite von Nokia steht schwarz auf weiß:
Unternehmerische Verantwortung heißt für Nokia, die Einflüsse ihrer Arbeit auf Gesellschaft und Umwelt zu erkennen und entsprechend zu agieren. Als Marktführer und weltweit tätiges Unternehmen nimmt Nokia diese Verantwortung sehr ernst. Eine solide Unternehmensethik ist deshalb für das tägliche Geschäft enorm wichtig.
(gefunden bei Bernd Röthlingshöfer)
Ich habe einen Traum: Unternehmen werden in Zukunft darauf achten, dass Texte nicht nur schön "klingen", sondern auch der Wahrheit entsprechen.
Im Handelsblatt stand gestern ein hochspannender Artikel mit dem Titel "Sagt es einfacher". (Leider online nur für registrierte Nutzer der Website www.handelsblatt.com zugänglich).
Der Braunschweiger Linguist Günther Zimmermann beschreibt in diesem Artikel, wie Unternehmen besser kommunizieren können. Denn Sprache, so Zimmermann, ist ein Erfolgsfaktor.
Der Schaden, der der deutschen Wirtschaft durch unverständliche Texte entsteht, wird von Sachverständigen auf jährlich eine Milliarde Euro geschätzt.
Günther Zimmermann hält diese Summe sogar für deutlich untertrieben. Dies deckt sich mit unserer Erfahrung: Intern werden Worthülsen, Abkürzungen und Denglische Begriffe produziert und extern die Kunden im besten Fall gelangweilt.
Oder zeichnen sich die Texte, die in euren Unternehmen geschrieben werden, etwas durch einfache Wörter, einfach Sätze, klare Textstruktur, interessante Inhalte und einen persönlichen Bezug zum Leser aus? Ich freue mich, von euren Erfahrungen zu lesen! Bitte schreibt mir, wie ihr die Sprache in eurem Unternehmen erlebt. Hier im Weblog oder persönlich. Jetzt oder in den nächsten Monaten.
Seid ihr auf der Suche nach einem guten Buch? Ich habe gerade meine Favoriten in diesem Jahr zusammengestellt. Hat zwar nichts mit meinem Job zu tun - aber vielleicht interessiert ihr euch ja nicht nur für Fachbücher:
Schloss aus Glas von Jeanette Walls:
Eine Autobiografie, so unglaublich, das man dieses Buch erst aus der Hand nehmen möchte, wenn die letzte Zeile gelesen ist. Plötzlich sieht man Spießereltern in einem ganz neuen Licht. Ideal für Frauen - auch für solche, die nicht allzu viel lesen.
Heiter und traurig zugleich ist "Rupien! Rupien!" von Vikas Swarup. Die einfache Sprache erinnert an Coehlo. Besonders das Ende hat mir gefallen. Dieses Buch habe ich schon x-mal in diesem Jahr verschenkt - an Männer und Frauen, Vielleser und Lesemuffel. Sie alle waren begeistert.
Der deutsche Titel "Dr. Sex" ist unglücklich gewählt. Der Originaltitel "The Inner Circle" deutlich besser. T.C. Boyle erfindet eine Geschichte über eine reale Person: Alfed C. Kinsey, bekannt durch seinen revolutionären Sexreport. Das faszinierende an diesem Buch ist, wie sehr sich das Verhältnis des Lesers zum Protagonisten im Laufe des Buches ändert.
Viel Spaß beim Lesen.
Wer "Text gesucht" in Google eingibt, dem wird auch eine Werbung von Ebay angezeigt - denn auf Ebay wird bekanntlich alles verkauft. Schon bald könnte sich aber ein tatsächlicher Markt rund um den Text etablieren:
Zurzeit noch in der Beta-Version online ist der Dienst "contentworld".
Ich bin sehr gespannt, ob Contentworld erfolgreich sein wird. Vor allem für Standardtexte wie Geburtstagsgrüße kann ich mir das gut vorstellen. Doch sobald ein Text auf eine besondere Situation abzielt, sollte der Texter eng mit dem Auftraggeber zusammenarbeiten und erst nach einem klaren Briefing zu schreiben beginnen.
Was meint ihr?
Schreib und es bleibt.
Wie viel Potenzial steckt in einem Gedanken, der kurz auftaucht und dann gleich wieder verschwindet? Einmal auf Papier gebracht, wartet er geduldig darauf, von seinem Schöpfer in die Tat umgesetzt zu werden oder im Papierkorb zu landen. Davon berichtet auch Klaus Schmidbauer in seinem Weblog >>>
Simsen Sie gern? Oder googeln Sie lieber? Noch sind diese Begriffe den Kinderschuhen nicht entwachsen, doch sie könnten es schaffen und tatsächlich das Erwachsenenalter erreichen ... mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.
"Erfolgreiche Kurse und Seminare" von Bernd Weidenmann ist ein wirklich tolles Buch. (Erschienen im Beltz-Verlag, 7. Auflage 2006). Die Aufgabe des Trainers erklärt Weidenmann mit Hilfe eines fiktiven Gesprächs zweier Trainer über effektive Erwachsenenbildung. Das Bild, das hier zum Schluss vermittelt wird, gefällt mir ausgesprochen gut, deshalb hier ein kleiner Auszug:
A:"Was mich als Trainer interessiert: Welche Situation ist denn nun für die Lernarbeit mit Erwachsenen am besten geeignet?"
B: "Wie würden Sie denn selbst gut lernen und gerne lernen?"
A: "Es sind so verschiedene Wünsche. Die kriege ich nicht zusammen".
B: "Was wünschen Sie denn?"
A: "Dass es nicht langweilig ist. Dass es effektiv ist. Dass ich lerne, was ich wirklich gebrauchen kann. Dass die Arbeit mit den anderen gut läuft."
B: "Sie meinen, das bekommt man in der Praxis nicht zusammen?"
A: "Das Unterhaltende ist meistens nicht effektiv."
B: Muss das so sein oder haben Sie es auch schon anders erlebt?"
A: "Nicht in einem Seminar, sondern in der Freizeit."
B: "Beim Lernen?"
A: "Ich habe ein Hobby und sauge wie ein Schwnn seit Jahren alles auf, was ich dazu finden kann. Das ist sehr unterhaltend und erstaunlich effektiv. Inzwischen bin ich fast ein Experte."
B: "Was ist beim Hobby anders als beim Lernen im Seminar?"
A: "Das Thema interessiert mich. Ich will immer mehr darüber wissen. Und ich bestimme selbst, wann ich das mache."
B: "Ginge das auch mit anderen zusammen"
A: "Nur wenn die das gleiche Interesse haben. Das wäre ideal." [...]
B: "Sie sind Trainer. Wie viel von dieser Art Lernen erleben die Teilnehmer in Ihren Veranstaltungen."
A: "Leider viel zu wenig."
B: "Woran liegt das?"
A: "Bei den Seminaren geht es nicht um ihre Hobbys. Das Interesse fehlt. Ich muss oft den Hund zum Jagen tragen."
B: "Wie tragen Sie den Hund?"
A: "Ich versuche, den Stoff so interessant wie möglich rüberzubringen. Wichtig ist Abwechslung, mal Gruppenarbeit, mal Folien, mal Video."
B: "Rüberbringen klingt nach Füttern, nicht nach Jagen. In Ihrem Hobby haben Sie gejagt. Als Trainer füttern Sie."
A: "Ich sagte schon, vielen Teilnehmern fehlt das richtige Interesse. Deshalb muss ich sie ja füttern. Mir wäre lieber, sie hätten Lust am Jagen. Das können Sie mir glauben."
B: "Macht Füttern Lust auf Jagen?"
A: "Machmal schon. Ich kann beim einen oder anderen Interesse am Thema wecken."
B: "Ich habe den Eindruck, Sie tragen nicht den Hund zum Jagen, sondern führen ihn an der Leine durch einen Parcours, einen abwechslungsreichen Parcours. Was könnte "Jagen" in einem Seminar sein?"
A: "Wenn wir ein Problem als Beute definieren und uns überlegen, wie wir es packen." [...] Was müssen wir wissen? Wer hat schon Erfahrung damit gemacht? Wie sollen wir vorgehen? Was müssen wir vorbereiten? Wie teilen wir die Arbeit auf?"
B: "Als Trainer ist man der erfahrene Jäger udn kennt die Beute. Wie könnte man sich verhalten, damit die anderen das Jagen lernen?"
A: "Hungrig machen. Ihnen erzählen, wie die Beute schmeckt udn wie spannend das Jagen ist." [...]
Auszug aus: Bernd Weidemann: "Erfolgreiche Kurse und Seminare. Beltz Verlag, 7. Auflage 2006. Seite 17f. Das Buch bei amazon ansehen ....
Mitte Januar gibt die Sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" die Wahl des Unwortes 2006 bekannt. Heute endet die Einsendefrist.
Die ARD hat auf ihrer Website eine Umfrage gestartet und bereits einige "Unwörter" ausgemacht: Problembär, Killerspiele oder abgehängtes Prekariat sind dort im Rennen.
Hier geht es zur Un-Website der Sprachkritischen Aktion ... und hier zur Umfrage der ARD.
Mein persönliches Unwort des Jahres lautet übrigens: "zeitnah". Im letzten Jahr ist dieses seltsame Wörtchen sehr in Mode gekommen: Immer häufiger werde ich um eine "zeitnahe Erledigung" gebeten, immer häufiger finde ich in den Texten der Unternehmen Wörter wie "zeitnahe Entscheidungen" oder auch "zeitnahen Überlegungen"?!
Wie schön wären eindeutige Aussagen: "Können Sie das bis morgen erledigen?", "Wir werden spätestens am 30.1. eine Entscheidung treffen" usw.
Doch das Wörtchen "zeitnah" ist symptomatisch für unsere Zeit: Da wird viel geredet und geschrieben und wenig gesagt ...
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