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14 Februar 2007

Widerspruch!

Durch Hochglanzprospekte und aufwendige Internetseiten polieren viele Unternehmen ihr Image auf: Mit knackigen Werbesprüchen machen sie sich interessant und präsentieren sich als modernes, dynamisches Unternehmen. Wenn dann jedoch der Kunde ein Standardschreiben dieses Unternehmens erhält, das mit "Bezug nehmend auf Ihre Anfrage vom ..." beginnt, spürt er intuitiv, dass ihm im Prospekt etwas vorgegaukelt wurde.

Vielen Mitarbeitern in Unternehmen ist dies gar nicht bewusst. In meinen Seminaren erzähle ich deshalb gern am Anfang die folgende Geschichte:

Ein Mann stirbt. Als er an die Himmelspforte kommt, fragt ihn Petrus, ob er lieber in den Himmel oder in Hölle möchte. “Natürlich in den Himmel”, entgegnet der Mann. Zunächst gefällt es ihm. Er nimmt auf seiner Wolke Platz und lässt es sich gut gehen. Doch irgendwann wird es ihm ein bisschen langweilig. Was kann man tun? Na ja, ich schau mir mal an, wie die armen Sünder in der Hölle braten, denkt sich der Mann, fliegt mit seiner Wolke über die Hölle und schaut hinunter. Was er da zu sehen bekommt, findet er dann doch sehr überraschend: Ein riesiges Party-Areal, in dem dichtes Gedränge herrscht. Überall gut gekleidete Menschen, die Cocktails trinken und miteinander lachen. Es gibt drei Bühnen, vier Bars, ein Erlebnisbad und einen ausgedehnten Wellness-Bereich. Keine Frage, die da unten amüsieren sich göttlich.

Der Mann geht zu Petrus und sagt: “Hier im Himmel ist es mir zu langweilig. Ich will lieber in die Hölle. Kann ich umbuchen?” Petrus schaut dem Mann tief in die Augen und sagt: “Einmal umbuchen ist möglich. Sie können aber nie wieder zurück. Haben Sie sich die Sache also wirklich gut überlegt?” – “Ja, ja, ja!”, brüllt der Mann, der es gar nicht erwarten kann, in der Hölle an seinem ersten Cocktail zu nippen. “Also gut”, sagt Petrus, öffnet das Himmelstor und lässt den armen Mann geradewegs in die Hölle fahren. Dort wird er gleich von zwei Teufeln in Empfang genommen, in einen Kessel gesteckt und über den Flammen des Höllenfeuers geröstet. “Hey, Moment mal!”, ruft der Mann. “Wo sind denn die ganzen Leute mit den Cocktails hin? Und wo ist das Erlebnisbad?” – “Damit haben wir nichts zu tun”, sagt der Teufel, “das hat sich unsere Werbeagentur ausgedacht.” (Aus: Anekdoten, Geschichten, Metaphern von Matthias Nöllke, siehe Buchtipps)

19 Oktober 2006

Wie schreibt man gute Briefe?

"Wer gut [einen Brief] schreiben will, der muss gut von einer Sache denken. Wer seine Gedanken gut ausdrücken will, muss die Sprache in der Gewalt haben. Das Denken lehren uns alle Briefsteller nicht. Eine geübte Vernunft, eine lebhafte Vorstellungskraft, eine Kenntniss der Dinge, wovon man reden will, richten hier das meiste aus."

Verfasst von Christian Fürchtegott Gellert im Jahr 1751. Und wie wahr! Im Jahr 2006 sollten viele Briefeschreiber sich dies zum Vorbild nehmen und vor allem an eine lebhafte Vorstellungskraft arbeiten. Den vollständigen Brief von Gellert gibts hier: http://www.literatur-live.de/salon/gellert.html.

06 Oktober 2006

Kritik - gut oder schlecht?

Gestern sagte eine Seminarteilnehmerin zu mir "Danke für Ihr Lob, aber mir wäre lieber, sie würden mich kritisieren." Überrascht fragte ich: "Warum?". Ihre Antwort: "Weil ich nur durch Kritik vorankomme". Ist das tatsächlich so? Vera Birkenbihl berichtet in ihrem Power-Tag von einer Studie in Amerika:

"An einer amerikanischen Universität hatte sich ein Club von Studenten gebildet, die alle vorhatten, später schriftstellerisch zu arbeiten. Sie beschlossen, sich während der vier Studienjahre einmal wöchentlich zu treffen, um sich ihre Artikel und Kurzgeschichten usw. gegenseitig vorzulesen und sich Feedback zu geben. Dabei wurde gnadenlos "rezensiert" ("echt harte" Kritiken, sprachlich brilliant formuliert usw.).

Bald hatte sich an derselben Uni eine ähnliche Gruppe von potentiellen Schriftstellerinnen (mit derselben Zielsetzung) gebildet. Auch sie trafen sich wöchentlich, um sich gegenseitig Feedback zu geben. Normalerweise wäre uns nicht bekannt, wie sich diese Studenten und Studentinnen nach dem Studium entwickelt haben, aber in diesem Fall hat die Universität 20 Jahre später verfolgt, wie sich ein Teil ihrer Student/innen (mit guten Noten) entwickelt haben. Im Zuge dieser Untersuchung wurden auch die beiden schriftstellerischen Clubs unter die Lupe genommen. Das Ergebnis war verblüffend:

Aus der Männergruppe hat sich später kein einziger beruflich schriftstellerisch betätigt. Das erstaunte die Forscher, denn erstens hatten alle in der Gruppe vorgehabt, professionell schriftstellerisch zu arbeiten (ob als Werbetexter, freier Schriftsteller, Drehbuchautor oder Zeitungsredakteur). Zweites hatten sie ja vier Jahre lang jede Woche durchgehalten (d.h. Texte produziert und sich der "konstruktiven Kritik" der Kommilitonen gestellt, was sicher nicht immer leicht gewesen war). Also hätte man eigentlich erwartet, daß vielleicht in den zwei Jahrzehnten einige bekannte Autoren aus der Gruppe hervorgehen würden. Aber es war nicht einer! "(Erinnerung: Sie hatten sich gegenseitig nur kritisiert und sich sprachlich höchst originell und professionell formuliert, in der Luft zerissen).

Die Frauengruppe hatte sich gegenseitig ganz anders "kritisiert" [...]. Sie hatten einander wenig "konstruktive Kritik", dafür aber viel Unterstützung, Ermutigung und viel Lob gegeben. Mit welchem Resultat? Antwort: Aus der Frauengruppe sind sechs (in den USA) sehr bekannte Schriftstellerinnen hervorgegangen. Drei von ihnen haben Beststeller geschrieben. Einige weitere wurden zwar nicht so berühmt, leben aber seit Jahren erfolgreich voll- oder freiberuflich vom Schreiben. Sie decken das gesamte Spektrum schriftstellerischer Tätigkeiten ab.

Ich finde das vor allem deshalb so interessant, weil neuere psychologische Forschungen immer klarer zeigen, daß wir nicht so sehr durch Fehler-Analyse und Kritik besser werden, sondern weit besser und schneller lernen, wenn gute Modelle vorhanden sind, die wir bewußt (oder unbewußt) imitieren können."

Aus: Das Power-Lesebuch.Strategien für mehr Erfolg und Lebensqualität. Vera F. Birkenbihl u.a., mvg Verlag, 2000.

21 Dezember 2005

Newsletter

Fast hätte ich es vergessen: Letzte Woche haben wir unseren Dezember-Newsletter versandt ... Diesmal ging es einmal nicht um Formulierungstipps,  Rechtschreibung oder Grammatik.

Wer den Newsletter noch nicht kennt, kann ihn sich hier ansehen und ein Abo kostenlos hier bestellen.

PS: Ich bin froh, dass der erste Satz in unserem Newsletter nicht dieser ist.

Ach, und passend zum Newsletter fällt mir noch eine kleine Geschichte ein aus dem Buch "Anekdoten, Geschichten und Metaphern für Führungskräfte" von Matthias Nöllke (siehe Buchtipps).

"Auch im hohen Alter ging Gustav VI. Adolf von Schweden trotz seiner schlechten Augen noch auf die Elchjagd. Er nahm nur noch ein Gewehr mit auf die Jagd, um keinen größeren Schaden anzurichten. Bei einer dieser Jagden hatte sich ein Adjutant ein Schild auf den Rücken gebunden, auf das er mit großen Buchstaben geschrieben hatte: "Ich bin kein Elch" Während der Jagd war ein Schuss des Königs zu hören und gleich darauf ein unterdrückter Fluch des Adjutanten mit dem Schild auf dem Rücken. "Majestät", wimmerte er, "haben Sie denn das Schild auf meinem Rücken nicht gesehen?" Der kurzsichtige König trat näher an der Schild heran und sagt: "Ich bitte um Entschuldigung. Ich dachte, auf dem Schild steht: "Ich bin ein Elch".

12 Dezember 2005

Der perfekte Bericht

Henry Kissinger hatte als amerikanischer Außenminister einen gewissenhaften Mitarbeiter, Sein Name war Winston Lord. Einmal sollte Lord für Kissinger einen wichtigen Breicht schreiben. Lord arbeitete mehrere Tage an dem Text und übergab ihn dann seinem Dienstherrn. Kurze Zeit später bekam er das Schriftstück zurück. Darunter stand der Kommentar: "Besser können Sie das nicht machen?"

Lord schluckte und machte sich gleich wieder an die Arbeit. Er feilte an einzelnen Formulierungen, überarbeitete einige Passagen und gab den Bericht dann wieder ab. Doch erneut bekam er die Mappe zurück und musste den gleichen Kommentar lesen. Lord setzte sich ein drittes Mal hin und formulierte den Bericht erneut um. Wieder die gleiche Reaktion. Da platzte Lord der Kragen und er marschierte wütend zu Kissinger, knallt ihm den Bericht auf den Schreibtisch und rief: "Verdammt noch mal, ich kann es nicht besser machen!" Kissinger lehnte sich entspannt zurück und antwortete: "Fein. Wenn das so ist, kann ich Ihren Bericht jetzt wohl lesen".

Gefunden in: Anekdoten, Geschichten, Metaphern für Führungskräfte. Matthias Nöllke. Haufe Mediengruppe: Freiburg, Berlin, München 2002.