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05 Oktober 2006

Duden oder Wahrig? Welches Nachschlagewerk ist besser?

Zurzeit werden unsere Rechtschreibseminare wieder sehr nachgefragt. Kein Wunder - seit dem 1.8.2006 gilt die "Reform der Reform" und damit eine Mischung als alter und neuer Rechtschreibung. "Müssen wir uns jetzt einen neuen Duden anschaffen?" Diese Frage hören wir in den Seminaren immer wieder. Und tatsächlich - ohne ein aktuelles Nachschlagewerk kommt man zurzeit kaum zurecht, denn vieles wird jetzt wieder anders geschrieben und die Mircosoft-Rechtschreibung im PC ist auch noch nicht auf den neuesten Stand. Allerdings muss es nicht unbedingt ein "Duden" sein. Auch den "Wahrig" gibt es in neuester Auflage mit den gültigen amtlichen Regeln.

Doch welches Nachschlagewerk ist besser? Duden und Wahrig haben beide jeweils knapp über 1200 Seiten (als gäbe es eine Absprache). Beide Bände geben den Wortschatz entsprechend der jüngsten Regeln wieder - die Unterschiede liegen eher in der Art und Weise, wie diese präsentiert werden.

Der Duden liefert zum ersten Mal Empfehlungen für eine von zwei möglichen Schreibweisen. Bei den mehr als 3000 Wörtern, für die es jetzt zwei Schreibweisen gibt, eine gute Entscheidung. Nur so lässt sich innerhalb eines Unternehmens eine einheitliche Schreibweise der Mitarbeiter ohne großen Aufwand realisieren. Die gelb unterlegten Vorschläge im Duden sind jedoch für den Nutzer nicht nachvollziehbar - d.h. er muss leider jedes Wort nachschlagen. So empfiehlt der Duden zum Beispiel die Zusammenschreibung bei "gewinnbringend" und die Getrenntschreibung bei "Not leidend". Der Wahrig überlässt dem Nutzer die Entscheidung, welche Schreibweise er verwenden will.

Beide Bände bieten eine Gegenüberstellung "alt - neu". Der Duden aber meint damit den Vergleich zwischen 2006 und der Zeit vor 1998. Wahrig hingegen führt in Tabellen die Wandlung der Schreibweisen zwischen 2004 (nach den ersten Änderungen an der Reform) und 2006 vor. Wer 2004 fit in der neuen Rechtschreibung war, wird die Darstellung im Wahrig bevorzugen.

Wer nicht so sehr auf den Inhalt, sondern mehr auf den Preis schaut, dem fällt die Entscheidung leichter: Der Duden kostet 20 Euro. Der Wahrig nur 14,95 Euro.

 

07 März 2006

Warum "wie viel" getrennt geschrieben wird

Fast hätte ich es vergessen: Ende Februar ist unser aktueller Newsletter erschienen. Diesmal geht´s vor allem um die Rechtschreibung. Zum Beispiel erklären wir, warum "wie viel" seit der Rechtschreibreform getrennt geschrieben wird.

Den aktuellen Newsletter könnt ihr hier lesen. Im nächsten Monat gibt´s auch wieder einen neuen kostenlosen Download ... so viel verrate ich schon einmal: Diesmal bringen wir Textvorschläge für Geburtstagsgrüße. Neugierig? Dann abonniert einfach den kostenlosen Newsletter - und der Link zum Download kommt Ende März automatisch ins Haus.

23 Februar 2006

Fertigsuppen-Rechtschreibtest Teil 2

Fertigsuppen sind ein gefundes Fressen für alle Fehlersucher. Die Maggi-Buchstabensuppe haben wir bereits hier im Weblog analysiert. Scannen0001_3

Jetzt kann ich in den Rechtschreibseminaren die neuen Schreibregeln auch an einem anderen Fertigsuppen-Beispiel erklären:

1. Nach einem Doppelkonsonanten (ei, eu, au, ie) steht seit der Reform statt  -ss- stets ein -ß. Korrekt müsste also hier stehen:

Heiße Tasse

(Diese Regel gilt ohne Ausnahme: Also auch bei weiß, Schweiß, außen, einschließlich ...).

Ok, nun ist "Heisse Tasse" vielleicht ein Produktname, der nicht unbedingt den Rechtschreibregeln unterworfen sein muss ..., dann schauen wir uns einfach weiter um:

2. "so viel" wird seit der Reform getrennt geschrieben, wenn es sich um ein Adverb handelt. Klingt komplizierter als es ist:

Bereits vor der Reform haben wir bei ähnlichen Begriffen unterschieden zwischen:

Getrennt: Ich sehe so weit - ich brauche keine Brille! (so weit: Adverb, d.h. Umstandswort)

Zusammen: Soweit ich das beurteilen kann, braucht er keine Brille. (soweit: Konjunktion, d.h. Verbindungswort)

Und diese Regel gilt seit der Reform nun auch für "so viel/soviel":

Getrennt: So viel Zeit muss sein.

Zusammen: Soviel ich weiß, lässt er uns genug Zeit.

08 Februar 2006

Rechtschreibung: Änderungen online

Die Infos kommen spät, aber immerhin: Nun finden sich auf der Website des Rechtschreibrats die am 3. Februar beschlossenen Änderungen der Reform:

http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/doku/para55-66.html

(via Sprachblog)

04 Februar 2006

Du - groß oder klein

Es steht heute in allen Zeitungen (z. B. Focus) - aber noch nicht auf der Website des Rechtschreibrats (!):

Zum hoffentlich letzten Mal hat der Rat gestern (3.2.) Änderungen an der Rechtschreibreform beschlossen. Danach darf in Briefen bei der Anrede in der 2. Person das Pronomen (du, dein, dir, dich ...) wieder großgeschrieben werden. Bei einigen feststehenden Begriffen soll jetzt wieder die Klein- und Zusammenschreibung gelten (z. B. bankrottgehen), bei anderen ist jetzt (wieder) die Großschreibung erlaubt (z. B. Schwarzes Brett).

Momentan komme ich kaum dazu, hier im Weblog zu schreiben - und nun gibt es also noch mehr Arbeit, die mich davon abhält: Wir werden die Unterlagen für die Seminare, unseren Online-Kurs und unseren interaktiven Rechtschreibkurs ändern müssen. Und wir werden wieder die Frustration und Verwirrung bei Seminarteilnehmern auffangen.

Ob der Rechtschreibrat überhaupt ahnt, wie sehr er den Gegnern der Reform den Ball zuschiebt - allein durch die Art und Weise, wie er die Änderungen kommuniziert?

06 Dezember 2005

Behörden-Rechtschreibung

Scannen0001_2   Peinlich, peinlich: In Leverkusen sollten wir wohl einmal für die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts einen Grundkurs in (alter oder neuer) Rechtschreibung anbieten.

Fehler nicht gefunden? Dannn schaueen Siie einnfach mall inn die Liste der häufigsten Rechtschreibfehler ...

02 Dezember 2005

erschreckt oder erschrocken?

Heute hat mich eine Freundin angerufen und gefragt, wann man "erschreckt" und wann "erschrocken" sagt. Haben Sie sich diese Frage auch schon einmal gestellt? Verständlich. Denn der grammatische Unterschied ist gar nicht so leicht zu erkennen.

Das so genannte transitive Verb (zielende Zeitwörter) wird regelmäßig gebeugt:
(erschreckte - erschreckt).

Beispiel: Hat Sie die Nachricht erschreckt?

Das intransitive Verb (nicht zielendes Zeitwort) wird dagegen unregelmäßig gebeugt (erschrak - erschrocken).

Beispiel: Sind Sie darüber erschrocken?

Und Achtung: Der reflexive (rückbezügliche) Gebrauch mit regelmäßiger oder unregelmäßiger Beugung (Haben Sie sich erschreckt/erschrocken) ist umgangssprachlich und ist hochsprachlich falsch.

Diese Erklärung haben wir auch schon einmal in unserem Newsletter gebracht. Hier gehts zum Newsletter-Archiv und zur  Newsletter-Anmeldung. Und bei ähnlichen Zweifelsfällen helfen wir Ihnen kostenlos in unserer Online-Sprachberatung.

27 November 2005

Rechtschreib-Chaos

Am Freitag habe ich die Mitarbeiter eines größeren Unternehmens in Münster mit den Regeln der neuen Rechtschreibung vertraut gemacht. Auf der Rückfahrt schneite es wie sonst wohl nur in den Alpen - was zu chaotischen Verhältnissen führte. Nur mit viel Glück bin ich nach Hause gekommen. Daheim herrschte das übliche "Mama-war-zwei-Tage-weg-Chaos", so dass ich erst jetzt dazu komme, meine Feeds zu lesen.

Und was lese ich da im jobblog von Marcel Widmer? Während ich am Freitag die Teilnehmer nur durch großes Engagement von den neuen Regeln überzeugen konnte, hat sich der Rechtschreibrat wieder etwas Neues ausgedacht! ... Vielleicht kann ich bald ja noch ein neues Seminar anbieten: "Die alte Rechtschreibung - leicht und verständlich erklärt".

18 November 2005

dieses oder diesen Jahres, Monats etc?

Anfang dieses Jahres ... oder muss es korrekt Anfang diesen Jahres lauten?

Im Duden Nr. 9 finde ich die Antwort:

Das Demonstrativpronomen dieser, diese, dieses wird immer stark gebeugt. Auch im Maskulinum und Neutrum heißt es im Genitiv Singular nur dieses: Anfang dieses (nicht diesen) Jahres. Am 10. dieses Monats, ein Gerät dieses Typs.

Ich bin überrascht, dass bisher noch niemand dieses Thema in unserer kostenlosen Sprachberatung angesprochen hat.

17 November 2005

Getrennt oder zusammen?

Warum schreiben wir Rad fahren seit der Reform getrennt und bergsteigen weiterhin zusammen?

Die Antwort: In dem Begriff bergsteigen versteckt sich ein weiteres Wort, in Rad fahren jedoch nicht!

Dies können Sie leicht testen: Wenn Sie den Begriff bergsteigen auflösen, müssen Sie das "versteckte" Wort einfügen, damit ihr Satz einen Sinn macht:

Er steigt auf den Berg.

Andere Beispiele für diese so genannte Wortverschmelzung:

weltweit:    weit in die Welt

kopfrechnen:   er rechnet im Kopf

Die neue Rechtschreib-Regel lautet: Begriffe werden getrennt geschrieben, wenn keine Wortverschmelzung vorliegt.

Rad fahren : Er fährt - Rad.

Hof halten:  Er hält - Hof.

Gewinn bringend: Etwas bringt - Gewinn.

Natürlich könnten Sie auch sagen "Er fährt mit dem Rad". Der Unterschied zu Wörtern wie bergsteigen ist jedoch, dass Sie bei Rad fahren die zusätzlichen Wörter nicht zwingend benötigen, um dem Satz einen Sinn zu geben.

Achtung: Diese Regel und der Test beziehen sich nur auf Begriffe, bei denen der erste Bestandteil ein Hauptwort ist: Berg, Rad, Welt, Kopf, Gewinn. Für Adjektive (nahe legen, blaumachen etc.) oder Verben (kennen lernen) gibt es andere Tests!

Testen Sie Ihre Rechtschreibkenntnisse in unserem kostenlosen Rechtschreibtest und lernen Sie alle Rechtschreibregeln kennen: In unserem virtuellen Rechtschreibkurs.